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Zu Fuß auf die Inseln vor Saint-Malo: Mein Guide für die schönste Gezeiten-Wanderung der Bretagne

  • Autorenbild: Samanta Maria
    Samanta Maria
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Die meisten Besucher laufen an der Stadtmauer entlang, machen ein Foto vom Meer – und drehen dann wieder um. Dabei liegt direkt vor Saint-Malo etwas, das nur wenige Stunden am Tag zugänglich ist: eine kleine Inselkette, die bei Ebbe zum Wandergebiet wird und bei Flut wieder komplett im Meer verschwindet. Genau das macht sie so besonders – und genau deshalb möchte ich dir hier zeigen, wie du diesen Spaziergang richtig erlebst.


Bevor es losgeht: Die Gezeiten sind der Chef


Das ist keine Floskel, sondern die wichtigste Regel dieses Ausflugs. Wichtig dabei: Nicht alle drei Ziele sind gleich leicht zu erreichen. Fort National und Grand Bé sind bei den meisten normalen Ebben zu Fuß erreichbar, meist in einem Fenster von etwa 1,5 Stunden vor bis 1,5 Stunden nach Niedrigwasser. Petit Bé dagegen braucht eine besonders niedrige Ebbe (einen höheren Gezeitenkoeffizienten) – bei einer durchschnittlichen Ebbe bleibt der Weg dorthin oft noch unter Wasser. Ob es an einem bestimmten Tag reicht, lässt sich vorab auf petit-be.com in deren Zugangskalender prüfen.


Und egal an welchem der drei Ziele: Ist der Weg einmal frei, kommt die Flut danach deutlich schneller zurück, als man auf den ersten Blick denkt.

Mein Tipp: Schau dir vor dem Loslaufen die aktuelle Gezeitentabelle für Saint-Malo an (zum Beispiel auf marees.info oder in einer Gezeiten-App) und plane deinen Spaziergang bewusst um den Niedrigwasser-Zeitpunkt herum. An der Plage de Bon Secours hängt außerdem eine Tafel mit den aktuellen Zeiten aus – ein Blick darauf gehört für mich zum Ritual, bevor ich rüberlaufe.



Die Route: Ein Rundgang für 2,5 bis 3 Stunden

1. Start: Plage de Bon Secours


Der Ausgangspunkt liegt direkt unterhalb der Stadtmauer, beim kleinen Meeresschwimmbecken Piscine de Bon Secours. Von hier aus siehst du bei Ebbe bereits, wie sich der Meeresboden öffnet und der Weg zu den Inseln frei wird.


2. Fort National (5 Minuten vom Strand)


Das nächstgelegene Ziel. Erbaut 1689 nach Plänen des berühmten Festungsbaumeisters Vauban, diente es dem Schutz der Korsarenstadt vor Angriffen vom Meer aus. Für eine Besichtigung von innen gilt zusätzlich zur Ebbe eine Saison: täglich geöffnet vom 1. Juni bis 30. September, außerhalb dieser Zeit nur während der französischen Schulferien (Ostern, Allerheiligen) und an verlängerten Wochenenden (1. Mai, 8. Mai, Christi Himmelfahrt).


Insider-Tipp für meine Community: Wenn die französische Flagge über dem Fort weht, ist es an diesem Tag tatsächlich für Besichtigungen geöffnet – der Weg zu Fuß über den Strand ist aber unabhängig davon bei jeder passenden Ebbe möglich, auch wenn das Fort selbst gerade geschlossen hat.


3. Île du Grand Bé (10–15 Minuten vom Strand)



Ein paar hundert Meter weiter liegt die bekannteste der drei Inseln – und die mit der schönsten Geschichte. Hier liegt das Grab des Schriftstellers François-René de Chateaubriand, der in Saint-Malo geboren wurde und sich diesen Ort selbst ausgesucht hat: mit Blick aufs offene Meer, "immer und ewiglich dem Sturm ausgesetzt", wie er es selbst formulierte.


Was die wenigsten wissen: Chateaubriand kämpfte fast zehn Jahre lang um dieses Fleckchen Erde. Er bat die Stadt bereits 1828 darum, wurde zunächst abgelehnt, und erst 1831 stimmte der Stadtrat zu. Das Grab selbst wurde schon 1838 fertiggestellt – zehn Jahre bevor er 1848 tatsächlich starb. Bis heute trägt es bewusst keine Inschrift, nur eine kleine, anonyme Plakette mit der Bitte, seinen letzten Wunsch nach Stille zu respektieren.


Für dich als Foto-Stopp: Von der Spitze der Insel hast du einen der schönsten Rückblicke auf die Zitadelle von Saint-Malo – besonders eindrucksvoll im Licht der untergehenden Sonne.


4. Fort du Petit Bé (weitere 10 Minuten)



Wer noch etwas weiter laufen möchte, erreicht von Grand Bé aus die kleine Schwesterinsel Petit Bé – allerdings nur an Tagen mit einer wirklich niedrigen Ebbe (siehe Hinweis oben), nicht bei jeder Gezeit. Auch dieses Fort stammt aus der Vauban-Zeit und wurde 1707 fertiggestellt. Nach über 150 Jahren Verfall wurde es von einem privaten Eigentümer originalgetreu restauriert und kann ganzjährig besichtigt werden, sobald die Gezeiten es zulassen – geführte Touren sind vor Ort möglich, an der gehissten Flagge erkennst du auch hier, ob gerade geöffnet ist.


5. Rückweg


Auch für den Rückweg gilt: rechtzeitig loslaufen. Wer die Flut kommen sieht, sollte nicht mehr fotografieren, sondern gehen – das Wasser steigt in der Bucht von Saint-Malo sehr schnell.


Die wichtigsten Infos auf einen Blick


  • Startpunkt: Plage de Bon Secours, direkt unter der Stadtmauer

  • Fort National & Grand Bé: bei den meisten normalen Ebben zu Fuß erreichbar

  • Petit Bé: nur bei besonders niedriger Ebbe (hoher Gezeitenkoeffizient) erreichbar – nicht garantiert an jedem Tag

  • Zugangsfenster: ca. 1,5 Stunden vor bis 1,5 Stunden nach Niedrigwasser

  • Fort National von innen besichtigen: nur Juni–September, sonst nur an franz. Schulferien/Brückentagen

  • Gesamtdauer Hin- und Rückweg mit allen drei Stopps: ca. 2,5–3 Stunden, je nach Tempo

  • Unbedingt vorher checken: aktuelle Gezeitenzeiten (Tafel am Strand oder Gezeiten-App)

  • Festes Schuhwerk & zwischendurch barfuß ode rmit Schwimmschuhen empfehlenswert, der Meeresboden ist steinig und teils schlammig

  • Bonus: Die komplette Stadtmauer lässt sich zusätzlich in ca. 1 Std. 15 Min. n zu Fuß umrunden – schönster Blick bei Sonnenuntergang


Quellen: Office de Tourisme Saint-Malo, Fort du Petit Bé (petit-be.com), Fort National (campingdelileverte.com), Saint-Malo Info & carnetsvanille.com (Gezeiten), Wikipedia (Grabmal von Chateaubriand)

 
 
 

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